JOI-Design_Innenarchitektur_Interior Design_170130_JC_Signet_Web

Im Zwiespalt zwischen wirtschaftlicher und menschlicher Verantwortung

Thomas Scholz

Erst seit circa zwei Jahren bin ich mit meinen beiden Kollegen Sabrina Voecks und Heinrich Böhm als „Junior“- Partner in unser Büro und damit in die Selbstständigkeit eingestiegen.

JOI-Design ist in diesem Zuge gemeinsam mit unseren „Senior“ – Partnern Corinna Kretschmar-Joehnk und Peter Joehnk zu einer Partnerschaftsgesellschaft geworden. Über viele Szenarien haben wir in diesem Zusammenhang in der Vorbereitung gesprochen und bei einigen davon haben wir sicherlich gehofft, dass sie uns nie betreffen werden.

Dass wir aber schon nach so kurzer Zeit in eine so außergewöhnliche Situation geraten, wie die so genannte „Corona – Pandemie“, hätte damals sicherlich niemand von uns gedacht und erwartet. Hals über Kopf hat uns diese Krise vor Aufgaben und unternehmerische Entscheidungen gestellt, die selbst für erfahrene „Hasen“ äußerst schwierig zu treffen sind. Sowohl wir „Junioren“ als auch unsere „Senioren“ Corinna Kretschmar-Joehnk und Peter Joehnk waren in dem Moment froh darüber, dass wir uns gegenseitig als Korrektiv und Entscheidungshilfe hatten.

Das Unternehmen JOI-Design ist schon seit seiner Gründung 2003 ein sehr familiär geführtes Unternehmen, in dem Entscheidungen oftmals sehr viel mehr menschlich als wirtschaftlich getroffen werden. Das ist nicht zuletzt einer der Gründe dafür, warum das Arbeitsklima ein sehr Positives ist.

In dieser Zeit der Pandemie ist der Zwiespalt zwischen wirtschaftlicher und menschlicher/gesundheitlicher Verantwortung quasi für alle greifbar. Während es bei der globalen Entscheidung jedoch darum geht, wie viel wirtschaftlichen Schaden man in Kauf nehmen kann, um die Gesundheit der Gesellschaft zu erhalten, stellt sich im Mikrokosmos eines mittelständischen Unternehmens die Frage, wie viel „menschlichen Schaden“ darf/muss ich in Kauf nehmen, um das Unternehmen am Leben zu erhalten. Das wirtschaftliche Ende des Unternehmens würde dann natürlich auch den „menschlichen Schaden“ für alle Mitarbeiter bedeuten.

Die Situation der „Corona – Pandemie“ jedoch war und ist speziell für unser Büro besonders hart, weil unser Kundenkreis in allererster Linie die Hotelbranche ist, welche zu denjenigen gehört, die von der Krise neben der Eventbranche mit am stärksten getroffen worden ist.

Aus diesem Grund wurden viele Hotel-Umbauprojekte, die in aller Regel aus dem Cashflow des Hotels bezahlt werden, einfach gestoppt. Hotel – Neubauprojekte, die meistens durch Investoren aus anderen Branchen finanziert werden, wurden größtenteils auf unbestimmte Zeit verschoben. Das stellte uns vor die harte unternehmerische Entscheidung, welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um das Büro am Leben zu erhalten und so auszurichten, dass wir damit möglichst stabil durch die Zeit der Krise kommen, von der aber niemand sagen konnte und bis heute kann, wie lange diese andauern wird. Hinzu kam noch die Problematik, dass zur Vermeidung der Ansteckung auch noch möglichst viele Mitarbeiter ins Home-Office gehen sollten. Aus unterschiedlichen Gründen waren davon auch zwei unserer Partner betroffen, was die Abstimmung für die Zukunft unseres Büros nicht vereinfachte. Wir mussten uns also so schnell wie möglich in vielen Besprechungen mit den Themen Kurzarbeit und Kündigungen auseinandersetzen.

Die Maßnahme der Kurzarbeit war natürlich die erste Wahl, da wir ja versuchen wollten, alle Mitarbeiter zu halten. Jedoch zieht diese Maßnahme leider nur, wenn die Geschäftsgrundlage für eine absehbare und vor allem vorübergehende Zeit entfällt. Dies traf bei uns allerdings nur für einen Teil der Projekte zu, von denen wir hofften, dass sie nach der ersten Schockstarre dann doch weiterlaufen würden.

Die Projekte jedoch, die gerade kurz vor der Beauftragung standen oder aber eben auch Projekte, die schon liefen, in denen aber die Investoren schon Insolvenz anmelden mussten oder selbst in Kurzarbeit gegangen sind, wurden kurzerhand gestoppt und/oder komplett abgesagt. Der sich daraus ergebende komplette Wegfall der Geschäftsgrundlage bedeutete für uns, dass wir uns von einem Teil der Mitarbeiter trennen mussten.

Eine solche Entscheidung zu treffen, ist wohl für jeden Unternehmer eine der Schwersten, für uns als „Frischlinge“ in der Selbstständigkeit aber natürlich gleich noch schwieriger.

Gerade in einem so familiär geführten Unternehmen wie JOI-Design ist es trotz eines „Leitfadens“ wie beispielsweise den Vorgaben eines Sozialplans, unglaublich schwierig, eine solche Auswahl zu treffen.

Wir waren also, um die nackten wirtschaftlichen Zahlen unserer monatlichen Kosten der neuen Situation anzupassen, tatsächlich gezwungen, das Vertrauen unserer Mitarbeiter zu erschüttern, und private, menschliche Tragödien auszulösen, um dadurch für die Firma als solche eine Überlebenschance zu sichern, damit wir uns hoffentlich die Situation zurückerarbeiten können, nach und nach alle Mitarbeiter wieder zurück an Bord holen zu können.

Wir haben versucht, dabei so transparent wie möglich zu agieren, denn wir haben wirklich die besten Mitarbeiter, die wir uns wünschen können und damit meine ich eben ausdrücklich alle Mitarbeiter.

Wir hoffen, dass wir mit unserer Strategie richtig fahren und dass wir das Ziel, unsere Mannschaft wieder zu vervollständigen, schnellstmöglich erreichen werden.

Unser Dank gilt allen unseren „aktiven“ und „passiven“ Mitarbeitern, die durch ihre Loyalität und ihren unermüdlichen Einsatz daran arbeiten, dass wir auch in Zukunft unsere Gestaltungsideen und -visionen verwirklichen, und somit in der Hotel-Welt unsere Design-Spuren hinterlassen können.

Share